Two Oceans Marathon 2011

Es scheint in der Natur des Kaps der Guten Hoffnung zu liegen, Menschen in die Irre zu führen. Denn sowohl die Bezeichnung „Two Oceans“ wie auch „Marathon“ sind in Bezug auf Kapstadts schönstes Laufevent falsch. Obwohl in der Kapregion der indische und der atlantische Ozean aufeinandertreffen, verläuft die Strecke tatsächlich nur entlang des Atlantischen Ozeans. Auch ist der Lauf nicht klassische 42,195 Kilometer lang, sondern fällt mit seinen 56 Kilometern schon in die Kategorie „Ultra“. Aber tatsächlich sucht die landschaftliche Szenerie in der Welt Ihresgleichen und damit kann zumindest über den Slogan „the world’s most beautiful marathon“, diskutiert werden.

Jedes Jahr am Ostersamstag liegt Kapstadt über 8000 Ultraläufern zu Füßen. Für die meisten von ihnen ist der „Two Oceans“ ein Vorbereitsungslauf auf den wohl bekanntesten aller südafrikanischen Läufe, den Comrades Marathon, schlappe 89 Kilometer lang. Doch auch Ultra-Neulinge, so wie ich es einer bin, stellen sich der Herausforderung.

laufen entlang der Küste ... Gestartet wird um 6:25 Uhr, im Dunkeln. Die ersten zehn Kilometer führen die Läufer südlich aus Kapstadt heraus, um am Küstenstreifen in Muizenberg den Sonnenaufgang zu erleben. Die mächtigen Berge, auf die die Läufer zuhalten lassen erahnen, welche Anstiege im Tagesverlauf noch auf sie warten. Doch bis Kilometer 28 geht es erst einmal durch Kapstadts flaches Umland, Fishhoek und Noordhoek.

Dann beginnt der erste Anstieg, der legendäre Chepmans Peak Drive. Diese spektakuläre Küstenstraße, hineingesprengt in den Felsen, neun Kilometer lang und 150 Metern über dem Meerespiegel, verbindet Noordhoek mit der malerischen Hout Bay. Dieses Teilstück ist trotz traumhafter Kulisse ein Gefüchtetes unter den Läufern. Der unangenehme „Southwestern“, ein scharfer Wind, kann hier besonders ärgerlich vorüberwehen und die Kraft der Läufer schon 25 Kilometer vor dem Ziel gefährlich fordern. Um die Läufer trotzdem bei Laune zu halten, haben die Organisatoren keine Mühen gescheut: alle zwei Kilometer warten an den Erfrischungsstationen unzählige Freiwillige, teilen Wasser und Elektrolytgetränke aus und feuern jeden Einzelnen Läufer kräftig an. Und in jeder Kurve beschallen Lautsprecher, aus denen fetzige Musik ertönt, die Bucht. So lassen sich die wenigen Kilometer bergauf tanzend und gut gelaunt erlaufen. Oben angekommen werden die Läufer mit Bananen und einem atemberaubenden Panoramablick auf die Hout Bay belohnt. Spätestens an dieser Stelle, wird klar, warum dieser Ultra zu den Schönsten in der Welt gehört.

Aussicht vom Chepmans Peak Etwa zehn Kilometer lang ist die „Verschnaufpause“ zwischen dem höchsten Punkt des Chapmans Peak Drives und dem Anstieg hinauf zum „Constantia Nek“. Auf diesem Stück überschreiten die Läufer auch die Marathonmarke. Unaufhörlich scheint der Strom der Schaulustigen, die sich beim Grillen am Straßenrand die Seele aus dem Leib schreien, um die Sportler anzufeuern. Volksfeststimmung bei Jung und Alt, Schwarz und Weiß. Einige von ihnen berichten, typisch südafrikanisch, irreführende Fakten: „the finish is just around the corner!“, lügen sie bereits seit Kilometer 40. Die Läufer wissen es besser und treten den steilen aber schattigen Weg zum Constantia Nek gehend an. Es ist der höchste Punkt des Kurses, der bei Kilometer 46 erreicht wird. Nun atmen alle Läufer erleichtert auf, die Berge sind überwunden und mit dankendem Blick auf die Bucht machen sie sich an die letzten zehn Kilometer zum Ziel. Auch unter den Läufern herrscht eine auffallende Kollegialität: es wird geplaudert und sich gegenseitig Mut gemacht, es werden Spiele gespielt und es wird aufeinander aufgepasst.

Schattig und steil führt die Straße hinunter nach Kapstadt. Und so manchem geht nun die Luft aus. Doch die Partystimmung auf dem Rugbyfeld vor der Universität von Kapstadt ist schon zum greifen nahe. Dann, endlich, tauchen vor den Läufern die Fahnen auf, die Musik des Zieleinlaufs ertönt mit tiefem Bass und rechts und links säumen sich die Fans: durch das Tor, über den Rasen, noch 200 Meter, noch 100 Meter, ein Blick auf die Menge, wo sind die eigenen Fans? Und dann geht alles furchtbar schnell. Nach 56 Kilometern ist das Erreichen des Ziels eine Wohltat. Endlich stehenbleiben. Endlich die Liebsten in die Arme schließen. Endlich ausruhen.

Die schnellsten Läufer brauchen nur knapp über drei Stunden für den Two Oceans, doch ob sie auch ein Auge für die Schönheit der Kapregion haben, bezweifle ich.

Wegen der guten Organisation, der spitzen Fans, den fabelhaften Ausblicken und dem grandiosen Zieleinlauf erhält der Two Oceans von mir das Prädikat „besonders lohnenswert!“.

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